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Erste Auswertungen der Informationskampagne sind positiv

Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens ziehen an einem Strang

Foto v.l.: Landrat Manfred Müller, Achim Schäfer, Geschäftsführer Karl-Hansen-Klinik, Stephanie Düchting, Regionalgeschäftsführerin IKK classic als Vertretung der Krankenkassen, Dr. Lutz Mahlke, Ärztlicher Direktor, Chefarzt Orthopädie St.Vincenz-Krankenhaus, Kai Klössing, Ärztlicher Leiter Aufnahmestation Brüderkrankenhaus St. Josef, Dr. Anke Nolte, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie im St. Johannisstift, Christoph Robrecht, Hausoberer Brüderkrankenhaus, Dr. Ulli Polenz, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe
07. November 2018

Die Überlastung der Notaufnahmen in Kliniken ist ein bundesweites Problem, das seit Jahren seinen Niederschlag in den Medien findet. Auch in Paderborn ist es nicht anders. Die Notaufnahmen der Kliniken klagten und klagen über die große Anzahlen von Patienten, bei denen es sich um so genannte Bagatellfälle handelt. So hatte sich etwa die Zahl der Patienten, die von 2009 bis 2017 in die Notaufnahme kamen, innerhalb dieser acht Jahre mehr als verdoppelt: von 6000 auf 13000 Patienten jährlich.

Vor rund einem Jahr haben wir daher eine Arbeitsgemeinschaft „Notaufnahme in Not“ gegründet, um Abhilfe zu schaffen. Zusammengeschlossen haben sich in dieser Gemeinschaft alle am Gesundheitswesen im Kreis Paderborn beteiligten Einrichtungen: neben uns, dem St. Johannisstift, noch die anderen drei Krankenhäuser, die Kassenärztliche Vereinigung mit ihren rund 500 niedergelassenen Ärzten im Kreis, ortsansässige Krankenkassen sowie der Kreis Paderborn.

Vor rund einem Jahr ist dieser Arbeitskreis mit einer Aufklärungskampagne „Notaufnahme in Not“ an die Öffentlichkeit getreten, um Patienten darüber aufzuklären, welche Anlaufstelle für ihren medizinischen Fall die beste ist. In der Regel ist dies der Hausarzt. Sollte der nicht erreichbar sein, steht die Bereitschaftsdienstpraxis im MediCo (Husener Str. 48) zur Verfügung. Patienten mit akuten Blutungen, bei einem Frakturverdacht, bei akuter Atemnot, Brustschmerz, Ohnmacht, Lähmungserscheinungen oder plötzlichem Sehverlust, also immer dann, wenn eine Situation lebensbedrohlich sein könnte, wenden sich nach wie vor über die Rufnummer 112 an den Rettungsdienst.

Wer sich über die richtige Anlaufstelle im Unklaren ist oder eine Arztpraxis nicht aufsuchen kann, kann sich außerhalb der Praxisöffnungszeiten unter der Rufnummer 116 117 an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Anrufende werden dann an eine der drei Leitstellen der Kreise Höxter, Lippe und Paderborn (zurzeit zur Kreisleitstelle Lippe in Lemgo) weitergeleitet. Von dort aus kann etwa der bereitschaftsärztliche Fahrdienst entsandt  werden oder – im Bedarfsfall – auch der Notarzt und Rettungswagen in Marsch gesetzt werden. Die Zusammenlegung der Rufnummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes mit dem Notruf 112 in der einheitlichen Leitstelle erfolgte am 02.07.2018 als Pilotprojekt des Landes NRW. Wartete ein Anrufer bei der Nummer 116117 vor dem 02.07.2018 teilweise mehr als 20 Minuten, hat sich die Reaktionszeit durch die Zusammenlegung in den drei Kreisen auf durchschnittlich 20 Sekunden reduziert. Dann ist der Anrufer mit einem erfahrenen, medizinisch besonders geschulten Leitstellendisponenten verbunden.

In der 41. KW erreichten die Leitstelle 550 Anrufe in der Bereitschaftsdienstzeit (Mo, Di, Do von 18-8 Uhr, Mi und Fr von 13-8 Uhr Sa, So von 0-24 Uhr) In 151 Fällen veranlassten die Disponenten einen Hausbesuch. Die durchschnittliche Wartezeit der Anrufer am Telefon betrug weniger als 20 Sekunden,  die durchschnittliche Wartezeit bis zur Ankunft des Arztes betrug 36 Minuten.

Von Beginn der Kampagne an werden Patienten in den Krankenhäusern und vielen Arztpraxen auf die Situation der Notaufnahmen in Not hingewiesen. Das geschieht durch Hinweistafeln oder Flyer, die Patienten auch in der Notaufnahme ausgehändigt werden. Sie sollen helfen, für den betreffenden Fall den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Seit etwa einem halben Jahr informiert eine neu eingerichtete Homepage (www.notdienst-paderborn.de) über die Bereitschaftsdienstpraxis im MediCo. Sie informiert rund um die Uhr, wenn der Hausarzt seine Praxis geschlossen hat. Inzwischen klicken monatlich etwa 1500  Patienten auf diese Informationsseiten. Zusätzlich erscheint die Seite auch, wenn man etwa unter „Notfall, Paderborn“ oder ähnlichen Begriffen googelt.

All diese Maßnahmen habe dazu geführt, dass ein weiteres Ansteigen der Patientenzahlen in der Notaufnahme im zurückliegenden Jahr verhindert werden konnte, so dass sich die Steigerung der Patientenzahl im Verhältnis zu Vorjahren halbiert hat. Stellenweise ist die Patientenzahl im Jahresvergleich sogar um mehr als zehn Prozent zurückgegangen.