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Der „Letzte Hilfe Kurs“ – das kleine 1x1 der Sterbebegleitung

Ambulanter Hospizdienst St. Johannisstift e.V. bietet Kurs für alle Interessierten an

06. August 2019, Ambulanter Hospizdienst

Das Lebensende und Sterben macht uns als Mitmenschen oft hilflos. Uraltes Wissen zur Sterbebegleitung ist mit der Industrialisierung schleichend verloren gegangen. Daher bietet der Ambulante Hospizdienst St. Johannisstift e.V. seit einiger Zeit einen vierstündigen kostenfreien Kurzkurs zur „Letzten Hilfe“ an. Sigrun Haase, eine Kursteilnehmerin, und Heike Bade, Koordinatorin und Kursleitung vom Hospizdienst, gaben uns ihre Eindrücke wieder.

Doch worum geht es in dem Letzte-Hilfe-Kurs?
In diesem Letzte Hilfe Kurs lernen interessierte Menschen jeden Alters und ohne Vorkenntnisse, was sie für die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens tun können. Die Koordinatorinnen des Ambulanten Hospizdienst St. Johannisstift e.V. Heike Bade und Reinhild Wode vermitteln Basiswissen und Orientierungen und einfache Handgriffe. Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, die nicht auch in der Familie und der Nachbarschaft möglich ist. Die zertifizierten Kursleiterinnen sind erfahren in der Hospiz-und Palliativversorgung. Sie möchten Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen. Das Letzte Hilfe-Projekt sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess, der weder verlängert noch verkürzt werden sollte. Es ist Ausdruck gelebter Mitmenschlichkeit. Maximal können 15 Personen an dem kostenfreien Kurs teilnehmen. Letzte-Hilfe-Kurse sind anerkannt durch den Deutschen Hospiz- und Palliativ Verband e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. und basieren auf den Kursleitlinien von Dr. Georg Bollig. Sie werden europaweit angeboten mit dem Ziel, die Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren.

„Mir hat es unter anderem sehr geholfen, zu erfahren, was biologisch beim Sterbeprozess passiert. Wenn ich es verstehen kann, kann ich es auch besser verarbeiten, so hatte ich das Gefühl“, erzählt Sigrun Haase. „Ich selbst habe schon zwei mir nahestehende Personen beim Sterben begleitet bzw. war sehr eng vor Ort. Jetzt im Nachgang noch mal mich in diesem Kurs damit auseinanderzusetzen, hat mir die Verarbeitung deutlich erleichtert. Und auch für die Zukunft wurde mir sehr viel die Unsicherheit für den Sterbeprozess genommen. Ein Aspekt ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: das Gehör ist mit das Intensivste, was bis zum Lebensende bleibt. Da ist es wichtig, im Vorfeld schon mal mit den Angehörigen zu (be)sprechen, welche Musik sie gerne mögen oder ob es eine Geschichte gibt, die ihnen gefällt. Es ist dann sicherlich gut, in der Nähe von einem Sterbenden beruhigend zu sprechen und keine unnötige Unruhe zu verbreiten. Mir hat der Kurs wirklich einiges an Sicherheit rund um das Lebensende gegeben. Und ich werde auch bereits jetzt „meinen Koffer für die letzte Reise“ packen und ihn meinem Kind geben. Also im übertragenen Sinne natürlich. Ich werde packen, was ich mit in mein Grab nehmen möchte und notieren, was ich mir für die letzte Momente wünsche an Musik, Düften, Geschichten, Personen. Vorsorge ist einfach so ein großes und wichtiges Thema. Es ist gut, wenn ich zu Lebzeiten und wenn ich noch klar bei Bewusstsein bin, entscheiden kann. Es gibt ja auch einen Erste-Hilfe-Kurs, warum also nicht auch einen Letzte-Hilfe-Kurs“, führt Sigrun Haase weiter aus. Das klingt sehr einleuchtend und gut nachvollziehbar. Der Start im Leben braucht sicherlich ähnlich viel Erklärung und Begleitung wie die letzten Schritte im Leben. Sigrun Haase geht vermutlich noch einen Schritt weiter: Als ausgebildete Klangmassagepraktikerin verfolgt sie die Idee, sich selbstständig zu machen und u. a. Klangschalen im Rahmen der Trauer- und Sterbebegleitung einzusetzen. Eine spannende, sehr interessante Idee, für die wir ihr viel Erfolg und Freude wünschen.

„Wir können in dem Kurs natürlich lediglich dieThemen anreißen, denn im Vergleich geht eine Ausbildung für ehrenamtliche Sterbegleiter über 80 Stunden Theorie. Der Letzte-Hilfe-Kurs umfasst nur 4 Stunden. Da liegt es auf der Hand, dass wir bei manchen Themen nicht mit allen Teilnehmenden in die Tiefe gehen können. Das Modul „Vorsorgen und entscheiden“ ist jedoch immer ein sehr Zentrales und Wichtiges. Nachlesen können die Teilnehmenden dann vieles unter anderem in dem Leitfaden von Georg Bollig und selbstverständlich können Sie auch jederzeit zu uns in das Beratungsgespräch kommen“, ergänzt Heike Bade.

Wie ist der Kurs aufgebaut?

Der Kurs besteht aus vier Unterrichtseinheiten (Modulen) zu jeweils 45 Minuten. In der Regel wird der Kurs an einem Nachmittag oder Abend durchgeführt. Die Moderation erfolgt durch Heike Bade oder Reinhild Wode und umfasst die folgenden Module:

  • Sterben als Teil des Lebens
  • Vorsorgen und entscheiden
  • Leiden lindern
  • Abschied nehmen

Nächster Kurstermin

Der nächste Kurs startet am Donnerstag, den 31. Oktober von 17 bis 21 Uhr im großen Saal des Altenheims vom St. Johannisstift, Reumontstraße 32. Der Kurs ist kostenfrei.

Bitte melden Sie sich vorher an unter:
Ambulanter Hospizdienst St. Johannisstift e.V.
Telefon: 05251/291909
buero@@hospizdienst-paderborn.de