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Aktion pro Patient

Gemeinsam gegen die Reform der Notfallversorgung

05. Juni 2020, Ev. Krankenhaus St. Johannisstift

"Aktion pro Patient"

Gemeinsam gegen die Reform der Notfallversorgung

Die Paderborner Krankenhäuser, die St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, das Brüderkrankenhaus St. Josef und das St. Johannisstift sorgen sich um eine geplante Reform der Notfallversorgung, die gerade der Bundestag berät: Ambulante Notfall-Patienten sollen nicht mehr an jedem Akutkrankenhaus versorgt werden können, sondern nur in sogenannten „Integrierten Notfallzentren“ (INZ). Die Organisation die-ser Notfallambulanzen soll nicht durch die Krankenhäuser erfolgen, sondern durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) – obwohl die Versorgung in den Kliniken stattfinden soll. Auch die Paderborner Kran-kenhäuser erheben dagegen gemeinsam ihre Stimme und sammeln ab sofort Unterschriften von Patien-ten und weiteren Engagierten für die bundesweite „Aktion pro Patient“.
Die „Aktion pro Patient“ ruft dazu auf, die Krankenhäuser beim Erhalt der ambulanten Notfallversor-gung vor Ort zu unterstützen. Initiator ist Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH und Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. „Etwa die Hälfte der Krankenhäuser soll von der ambulanten Notfallversorgung ausgeschlossen werden. Die andere Hälfte der Häuser muss dann mit einem Anstieg der Zahl der Notfallpatienten rechnen. Die Kon-sequenz: Noch längere Wartezeiten und vollere Notaufnahmen“, erklärt Düllings. Er erwarte zudem einen gefährlichen Patiententourismus.
Die Paderborner Krankenhäuser zeigen dem geplanten Gesetzesentwurf daher nun die „Rote Karte“ und möchten sich mit einer Unterschriften-Aktion an den zuständigen Bundestagsabgeordneten richten. Die Stimmen der Mitarbeiter, Patienten und Mitbürger sind ein Appell, sich gegen die Reform zu stellen. „Die Reform würde sich auf die gesamte Krankenhauslandschaft auswirken. Die Rahmenbedingungen für die Patienten und Mitarbeiter in den Krankenhäusern verschärfen sich immer weiter. Gemeinsam müssen wir gegensteuern“, betont auch Ute Panske, Geschäftsführerin St. Johannisstift. Krankenhäuser aus ganz Deutschland ziehen bei der Aktion ebenfalls schon mit.
„Um den geplanten Kahlschlag in der Notfallversorgung zu verhindern, zählt jede Stimme. Kliniken ohne INZ sollen für eine Notfall-Behandlung mit Abschlägen bestraft werden – das ist absolut inakzeptabel. Das wäre für viele Häuser existenzgefährdend. In der aktuellen Corona-Situation sehen wir, wie wichtig auch die kleineren Krankenhäuser für eine flächendeckende Versorgung sind. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die ambulante Notfallversorgung auch künftig an unseren Krankenhäusern sichergestellt ist!“, appelliert Siegfried Rörig, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhauses St. Josef.

Die Kritik der Krankenhäuser im Überblick:

  • Die Krankenhäuser sind aktuell in einer erheblichen Planungsunsicherheit. Es weiß noch niemand, nach welchen konkreten Kriterien die Integrierten Notfallzentren (INZ) aufgeteilt werden.
  • Die INZ sollen unter fachlicher Leitung der Kassenärzte betrieben werden, nicht unter der Lei-tung von erfahrenen Fachärzten mit einer Weiterbildung in der Notfallmedizin. Zudem sollen die Räumlichkeiten der Krankenhäuser genutzt werden – obwohl die Krankenhäuser organisato-risch nicht verantwortlich sind.
  • Krankenhäusern, die kein INZ sind, aber ambulante Notfälle behandeln, drohen hohe Vergü-tungsabschläge. Gleichzeitig dürfen Ärzte Patienten aufgrund der Hilfeleistungspflicht nicht ab-weisen, ohne sie vorher gründlich zu untersuchen. Ein absolutes Dilemma: Denn wer seiner Sorgfaltspflicht nachkommt und einen Notfallpatienten untersucht, bevor er ihn in ein INZ wei-terleitet, wird dafür bestraft.

Weiter Informationen finden Sie auf der Seite des Verbands der Krankenhäuser HIER.